Seminarplanung visuell – mit dem doppelten Diamanten

Wie kann ich die Lehrveranstaltungsplanung anschaulicher gestalten? Diese Frage führte mich dazu, mein Seminar zu Medienbildung in diesem Sommersemester mit Papier und Stift zu skizzieren. Das Ergebnis ist hier zu sehen und bildete auch im Seminarraum eine visuelle Orientierung.

An der Philipps-Universität Marburg biete ich ein Seminar für Studierende des Lehramts an Gymnasien an. Der Titel lautet „Medienbildung zwischen Hashtags und Hausaufgaben“, die Veranstaltungsbeschreibung gibt’s hier. Meinen Einstieg in die Veranstaltungsplanung fand ich spontan über’s Zeichnen. Ich hatte das Modell des „Double Diamond“ im Hinterkopf, welches eigentlich als Grundlage für Designprozesse dient.

Double Diamond

16-05-21_Double_Diamond

Abb. 1: Double Diamond-Prozess mit seinen vier Schritten (Abb. v. J. M. Müller)

Das Modell des „Double Diamond“ (Dt.: Doppelter Diamant) ist ein vom britischen Designrat im Jahr 2005 entwickelter Prozess, der vier Arbeitsschritte umfasst (siehe Abbildung 1), in denen sich „öffnende“ und „schließende“ Phasen abwechseln:

  1. Erster Diamant: Dient im ersten „öffnenden“ Schritt dem Entdecken und Verstehen des Gestaltungsfeldes und der Zielgruppe. Recherchen helfen, Einblicke zu erlangen und sich einzufühlen. Im zweiten Schritt werden aus den Rechercheergebnissen  Erkenntnisse gewonnen und auf ein spezifisches Problem hin verdichtet. Der Schritt endet mit einer Problemdefinition (Mittelpunkt zwischen den Diamanten).
  2. Zweiter Diamant: Der dritte Schritt öffnet den Ideenraum. Es werden viele Ideen zur Lösung des Problems generiert. Sie werden gesichtet, gruppiert und bewertet, um – im vierten Schritt – sich wieder zu fokussieren und sich auf eine mögliche Lösung festzulegen. Sie wird ausgewählt, getestet, modifiziert und anschließend die beste Lösung umgesetzt.

Mein Ansatz

Dieses Modell legte ich nun meiner Lehrveranstaltungsplanung zugrunde und gestaltete die entsprechenden Schritte aus. In dem Seminar ging es weniger um eine spezifische Problemdefinition, sondern mir waren vor allem die öffnenden und schließenden Phasen wichtig. Hier schauten wir weiträumig, offen und in unterschiedlichen Feldern, was es gibt, um dann unsere Aufmerksamkeit wieder auf wichtige Punkte zu lenken.

LV-Planung-Visualisierung-DoubleDiamond

Abb. 2: Meine visuelle Lehrveranstaltungsplanung anhand des Designprozessmodells ‚Double Diamond

  • Erster Diamant: Diente im ersten „öffnenden“ Schritt dem Entdecken und Verstehen der Lebenswelt und dem Medienumfeld unserer Zielgruppe: Schüler_innen der Gymnasialstufe. Welche Daten liefern uns dazu Studien der empirischen Medienforschung (z. B. die JIM-Studie)? Was sagen Erfahrungsberichte über das alltägliche Medienhandeln? Von welchen Medien sprechen wir? Welche Bedürfnisse stehen hinter der Mediennutzung? Hier schauten wir zunächst in die Breite, um anschließend die gewonnenen Erkenntnisse zu verdichten. Dementsprechend entwickelten wir spezifische Bilder von Schüler_innen, um uns in ihre Lebenswelt, ihre Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse sowie ihr Mediennutzungsverhalten hinein zu versetzen (vgl. Abb. 2: „SuS-Personas“ im Mittelpunkt zwischen den Diamanten).
  • Zweiter Diamant: Die zentrale Frage der nun folgenden Phase war: Wie können wir diesen Schüler_innen in der pädagogischen Praxis begegnen? Dazu schauten wir zunächst weit über den Tellerrand hinaus, welche pädagogischen Empfehlungen uns von wem angeboten werden. Hier betrachteten und diskutierten wir populärwissenschaftliche Stimmen, die beispielsweise vor der „digitalen Demenz“ warnen; Hinweise von politischer Seite, z. B. in Form von Handlungsempfehlungen des Jugendmedienschutzes; Initiativen wie „Keine Bildung ohne Medien!„; wissenschaftliche Auseinandersetzungen zu verschiedenen Medien-„Bindestrich“-Begriffen, wie z. B. Medientheorie, Mediendidaktik, Medienbildung und Medienkompetenz. Auf dieser Grundlage entwickelten wir gemeinsam erste Ideen für konkrete Unterrichtsentwürfe und diskutierten diese aus der jeweiligen fachlichen und fachdidaktischen Perspektive. Der zweite Diamant schließt mit der jeweils eigenen Gestaltung eines entsprechenden Unterrichtsentwurfs von jedem der Seminarteilnehmenden (siehe Ende Schritt „Lösungen entwickeln“ in Abb. 2 Rahmen, rechts).
  • Parallel: Der Aspekt der Medienkunde konnte nicht in den Double Diamond-Prozess integriert werden. Er lief parallel zur Veranstaltung mit (siehe Pfeil in Abb. 2). In einem Glossar auf der Lernplattform ILIAS wurden gemeinsam Begriffe, Werkzeuge, Phänomene oder konkrete Anwendungen gesammelt und von den Studierenden erläutert. Das Glossar wurde von ihnen kontinuierlich ergänzt.

Den Double Diamond-Prozess mit seinen Schritten übertrug ich auf vier Flipchartpapiere, die ich nebeneinander aufhängte. Während der Präsenzsitzungen konnten wir uns so jeden Schritt verdeutlichen und uns orientieren.

Literatur:

Design Council, 2005, A study of the design process – The Double Diamond.

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