Zwischen Theorie und Praxis – fraMediale 2015 und KBoM!

Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, die fraMediale an der Frankfurt University of Applied Sciences zu besuchen. Hier traf medienpädagogische Forschung auf die Medienbildungspraxis und fragte in diesem Jahr nach „Wi(e)derständen“. Die Tagung findet seit 2009 alle anderthalb Jahre statt und kooperiert erstmalig mit der Initiative Keine Bildung ohne Medien – KBoM!

Zielgruppe der Veranstaltung sind Lehrkräfte, Forschende, Hochschuldozierende und Medienpädagoginnen und -pädagogen. Aber nicht nur das Tagungspublikum, sondern auch die Ausstellenden boten eine bunte Mischung: Von Präventions- und Beratungsstellen über offene Kanäle bis hin zu Projekten der Jugendarbeit oder an Schulen. Entsprechend angeregt verliefen die Diskussionen, für die das Tagungsformat viel Raum bot.

Besonders freute mich, dass auch die mittelhessische Region im Tagungsprogramm vertreten war. So erstellten die Teilnehmenden im Workshop „MathePodcasts – Audio-Podcasts zur Mathematik“ von Prof. Dr. Schreiber und Rebecca Klose der Justus-Liebig-Universität Gießen eigene Audioprodukte. Prof. Dr. Quibeldey-Cirkel und Christoph Thelen der Technische Hochschule Mittelhessen behandelten Lernwiderstände und erläuterten „Best Practices mit dem Audience Response System ARSnova„. Eben dieses Open Source Projekt ARSnova wurde in diesem Jahr mit dem fraMediale-Preis in der Rubrik HochschulehrerInnen ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

Einen anschaulichen Eindruck der Tagung mit allen Vorträgen, Workshop-Themen und Ausstellenden gaben nicht nur einzelne Tweets…


…sondern auch zwei Beiträge, die im Nachgang auf der Seite der fraMediale zu finden waren. In seiner subjektiven Nachlese beschreibt Sebastian Böhm des FTzM die Bandbreite der Tagungsinhalte. In einer weiteren subjektiven Nachlese resümiert Dr. Katrin Velentin:

„Durch die Veranstaltung zog sich zu vielen Momenten eine positive Stimmung der Inspiration und des Aufbruchs. Das Treffen von Gleichgesinnten und die Wahrnehmung, dass das Anliegen der Medienpädagogik mit der Zeit immer mehr in der bildungspolitischen Landschaft Fuß fasst, es immer mehr Wege der Aus- und Weiterbildung gibt und sich medienpädagogische Konzepte und Theorien weiter ausdifferenzieren und etablieren, macht ein wenig hoffnungsfroh. Allerdings stehen das Engagement und die Einschätzung der Notwendigkeiten der Anwesenden in krassem Gegensatz zu manchen bildungspolitischen Entscheidungen. […] Es bleibt eine große kreative Aufgabe, auch in die Breite zu wirken und Widerstände dazu zu nutzen, Aufklärung zu betreiben.“

Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen, er spiegelte sich auch in den zwei Workshops wider, die ich besuchte.

Grundbildung Medien statt medialem Feuerwerk

Am Vormittag standen die Workshops unter dem Motto „Standortbestimmung“.
Julia Menz und Christina Enders von der Katholischen Hochschule Mainz stellten dementsprechend das Positionspapier der KBoM-Initiative in den Mittelpunkt ihres Workshops „Grundbildung Medien statt medialem Feuerwerk“. Der Workshop richtete sich in erster Linie an Lehrerinnen und Lehrer, denen die Vermittlerrolle eines medienkompetenten Umgangs zukommt. Dies bedarf einer Grundbildung Medien, die anhand der zentralen Forderungen von KBoM diskutiert wurden. In der Positionierung der Lehrkräfte zu den Forderungen zeigte sich die Spannbreite der Herausforderungen, vor denen eine Grundbildung Medien in der pädagogischen Praxis steht. Die besten medienpädagogischen Konzepte nützen nichts, wenn sie z.B. an der fehlenden technischen Infrastruktur an den Schulen scheitern.

Erkundung politischer Begründungsstrukturen

Die Klammer der Workshops am Nachmittag war das Thema „Widerstände überwinden?“. Das internationale Team aus Prof. Dr. Pelin Yüksel Arslan, Prof. Dr. Christian Swertz und Kollegen der Universität Wien gestalteten einen Workshop rund um die Frage: „Warum das Ganze?“. Ziel war es, Begründungsstrukturen, „mit denen für eine solche im Sinne einer sozialwissenschaftlich fundierten Medienpädagogik argumentiert wird“, offen zu legen und zu diskutieren. Es standen insbesondere „die Verflechtungen mit politischen Ideologien bzw. mit der Politik, die selten expliziert werden, im Mittelpunkt der Analyse.“ (Panelbeschreibung)
Organisiert im Format des Speed Datings konnte an einzelnen Stationen die Vielfalt der politischen Begründungsstrukturen von Medien und Bildung erfahren werden. In Kleingruppen hatten wir jeweils eine Viertelstunde Zeit, um an jedem Tisch ein neues Projekt kennenzulernen. Das Tempo war wie angekündigt hoch, trotzdem gelang es den Beteiligten, Schlaglichter auf ihre Forschung zu werfen und diese an die Alltagsfragen der Teilnehmenden rückzubinden, wie z.B. dem Dauerproblem des „Cybermobbings“.

Fazit

Der Tag brachte einerseits viele Einblicke in die Facetten der Medienbildungsarbeit, sowohl in der Forschung als auch in vielfältigen pädagogischen Praxisfeldern. Die Herausforderungen „an der Front“ (O-Ton einer Lehrerin) trafen auf bildungspolitische Forderungen der KBoM-Initiative. Es wurden offene Punkte, drängende Probleme und die Notwendigkeit gemeinsamer Begrifflichkeiten ersichtlich. Andererseits wurden politische Etappensiege zur Verankerung einer Grundbildung Medien deutlich. Es scheint noch ein langer Weg – dies macht den medienpädagogischen Austausch von Theorie und Praxis umso notwendiger! Daher schließe ich mich dem folgenden Fazit gerne an:

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