„Mehr als ein Beamer?“

Gestern war der letzte Veranstaltungstermin der Multiplikatorenschulung zu „Medienkompetenz im Lehramt“* des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Zentrum standen Interaktive Whiteboards. Neben einer praxisnahen Technikeinführung für Studierende gaben wir der kritischen Auseinandersetzung großen Raum.

Multiplikation der Medienkompetenz im Lehramt

Das Projekt „Medienkompetenz im Lehramt“ sieht in einem ersten Schritt die Erarbeitung und Etablierung einer Multiplikatorenschulung für die Arbeit mit interaktiven Whiteboards (IWB) in Schulen vor. Die Multiplikatoren sollen anschließend für die Schulung von Lehramtsstudierenden im Rahmen von deren Praktikumsvorbereitung zur Verfügung stehen.  Das angestrebte Ziel dieses Multiplikatorenkonzepts ist die Stärkung der Medienkompetenz der Studierenden in den Lehramtsstudiengängen. Denn sie sind die Gruppe, die nicht nur ihren eigenen Unterricht medienkompetent gestalten soll, sondern selbst die Rolle einnehmen wird, Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. Medienkompetenz kann dabei als die grundlegende Kompetenz verstanden werden, um an der heutigen mediatisierten Kultur teilhaben und sie aktiv mitgestalten zu können. Im vorliegenden Projekt wurde zur Vermittlung von Medienkompetenz als ein erster Zugang die Schulung an interaktiven Whiteboards gewählt. Begründet wurde dies in der Projektbeschreibung folgendermaßen:

„Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung von Unterrichtsräumen an den Schulen wurden in den verschiedenen hessischen Regionen in großem Umfang interaktive Whiteboards (IWBs) angeschafft. Die Studierenden treffen im Rahmen ihrer Praktika an Schulen auf diese Boards, überwiegend ohne im Vorfeld mit solchen Boards gearbeitet zu haben, vor allem aber auch ohne die daran geknüpften didaktischen und unterrichtsmethodischen Möglichkeiten kennengelernt zu haben.“ (Kurzbeschreibung des Projektes Medienkompetenz im Lehramt)

Das ZfL bot nun gemeinsam mit der Koordinationsstelle Multimedia (KOMM) und dem Tutorenprogramm der JLU eine Multiplikatorenschulung an. Im ersten Durchgang konnten wir Studierende höherer Semester als Multiplikatoren ausbilden, die anschließend Studierenden in Veranstaltungen zur Praktikumsbegleitung ihr Wissen weiter geben können. Damit ist die Hoffnung verbunden, Studierende möglichst früh im Studienverlauf an IWBs heran zu führen:

„Wir erwarten […] vom Aufbau und der Stützung dieser Medienkompetenz eine Stärkung des Kompetenzerlebens im ersten Schulpraktikum. Das erste Schulpraktikum ist traditionell der zentrale Ort und Zeitpunkt zur individuellen Absicherung der Studien- und Berufswahlentscheidung. Der Umgang mit den modernen Unterrichtsmedien konfrontiert die Studierenden mit der zentralen beruflichen Anforderung einer modernen Unterrichtskonzeption unter Einbeziehung neuer Medien und ihre Bewältigung kann einen wichtigen Beitrag zur Stützung ihrer Studienmotivation und Berufsorientierung leisten.“ (ebd.)

Einsatz interaktiver Whiteboards im Unterricht

Unsere Qualifizierungsreihe bestand aus drei Workshop-Tagen und der Erarbeitung eines eigenen Unterrichtsentwurfes mit den IWBs. Wir thematisierten einerseits unterschiedliche Hardwareprodukte und Software – sowohl Desktop als auch Browserlösungen. Erste Schritte am IWB sollten den Teilnehmenden Berührungsängste mit der Technik nehmen. Ihre Herausforderung besteht nun darin, Routinen im Umgang mit IWBs zu entwickeln. Andererseits wurde gefragt, ob IWBs mehr sein können als ein Beamer – ein Schicksal, dass ihnen häufig in Klassenzimmern zuteilwird.

Dementsprechend erarbeiteten sich die Studierenden didaktisch sinnvolle Szenarien für den Einsatz der IWBs. Bei ihren Unterrichtsentwürfen versuchten wir herauszuarbeiten, ob das Medium an dieser Stelle tatsächlich einen didaktischen Mehrwert bietet. Oder wird lediglich ein technischer Vorteil erzielt, indem z.B. bekannte Methoden einfach an der elektronischen Tafel abgebildet werden? IWBs wird nachgesagt, dass durch ihren Einsatz die Gefahr bestehe, Frontalunterricht zu verstärken. Auch der Blick in vorgefertigte Unterrichtssoftware, z.B. von IWB-Softwareanbietern oder Verlagen, zeigt, dass hier häufig traditionelle Vorstellungen von Unterricht („Drill and Practice“) mit elektronischen Mitteln wiederholt werden. Wir forderten die Studierenden dazu auf, dies immer zu reflektieren, um auch in Zukunft eingefahrene Strukturen von Unterricht und Vorstellungen von Lehre aufbrechen zu können und Neues zu wagen – und dazu müssen IWBs nicht die komplette Unterrichtsstunde durchlaufen!


* „Medienkompetenz im Lehramt“ wird als ein Lehrinnovationsprojekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL12035 gefördert. Dies erfolgt im Rahmen von „Einstieg mit Erfolg„, einem im gemeinsamen Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre geförderten Projekt der JLU Gießen.

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