Mediengestützte Vor- und Brückenkurse für Mathematik

Das eLearning-Fachforum am vergangenen Freitag in Frankfurt drehte sich um das Thema „Mediengestützte Vor- und Brückenkurse für Mathematik – Konzepte und Erfahrungen“. Während auf der einen Seite nach Gründen für die teilweise mangelhaften mathematischen Kenntnisse bei Studieneinsteigern gefragt wurde, zeigte sich auf der anderen Seite eine breite Palette an Möglichkeiten, wie mit intelligenten Blended-Learning-Settings die Lernenden in der Studieneingangsphase beim Auffrischen Ihrer Mathematikkenntnisse unterstützt werden können.

Ausgerichtet wurde das Fachforum von der Koordinations- und Beratungsstelle Mediengestütztes Lernen und Lehren an der Frankfurt University of Applied Sciences. Den Einstieg bot das eingängige Video von Dorfuchs, das auf eine unterhaltsame Weise in den fachlichen Aspekt des Themas einführte:

Im ersten Beitrag spielte E-Learning eine untergeordnete Rolle, es wurde vor allem Ursachenforschung in Bezug auf die Mathematikdefizite der Studienanfänger betrieben. Der Blick wurde auf die Schule gelenkt und z.B. die bildungspolitische Vorgabe der Kompetenzorientierung, die Verkürzung der Schulzeit von G9 auf G8, die fehlende Routine im Lösen von Aufgaben oder auch der zu frühe Einsatz des Taschenrechners als Gründe ausgemacht. Ohne Frage kommen hier viele Faktoren zusammen, nicht zu vernachlässigen sind m. E. geschlechtertypische Einstellungen auf Seiten der Lernenden und Lehrenden und wie sich diese im schulischen Unterricht reproduzieren. Interessant war der Hinweis auf die Stärke der Schülerinnen und Schüler in den ostdeutschen Bundesländern in naturwissenschaftlichen Fächern, die in Länder-Vergleichsstudien besser abschnitten, wie in einem ZEIT-Artikel: „Mit dem Osten Rechnen“ (vom 17. Oktober 2013) dargestellt wurde.

Wie E-Learning in Brücken- oder Vorkursen aussehen kann zeigte der zweite Vortrag „Fit wie ein Taschenrechner?“, in dem ein ILIAS-gestütztes Angebot für Mathematik zur Erleichterung des Studieneinstiegs an der Hochschule RheinMain vorgestellt wurde. Hier haben Studierende die Möglichkeit, zwischen einem geführten Lernpfad oder einem modularen Pfad zu wählen. (Link zum Angebot)

Einen anderen Weg geht der Vorbereitungskurs des MINT-Colleges an der Hochschule Offenburg, in dem auf eine App als mobile Hilfe gesetzt wird. Sie soll entsprechend der Willkommenskultur an der Hochschule zur breiteren Aktivierung der Lernenden beim Studienstart dienen. Die Mathe-App MassMatics wird als weiterführende Hilfe bei der Bearbeitung von klassischen Übungsblättern eingesetzt. Die Verantwortlichen haben ihre Erfahrungen auch in einem Bericht auf e-teaching.org festgehalten: „Eine Mathe-App im Hochschul-Einsatz„.

Die RWTH Aachen stellte ihren Online-Mathematik Brückenkurs (OMB+) zur Studienvorbereitung und zum Ausgleich heterogener Kenntnisstände vor. Inhaltlich wurde der OMB+ – ebenso wie das Angebot an der Hochschule Offenburg – an den Empfehlungen der COSH-Gruppe (Cooperation Schule Hochschule) aus Baden-Württemberg ausgerichtet, die einen Mindestanforderungskatalog Mathematik (PDF) für das Hochschulstudium veröffentlicht hat.

Die Universitäten Kassel und Paderborn präsentierten gemeinsam das VEMINT-Projekt (Virtuelles Eingangstutorium Mathematik, www.vemint.de) und wie dieses auf die Heterogenität der Studierenden in der Studieneingangsphase reagiert. Ausgangspunkt für das Projekt war im Jahr 2003, den Kulturschock im mathematischen Verständnis – der sich beim Übergang von Schule an Hochschule einstellen kann – abzumildern. Zur Evaluation griffen die Verantwortlichen auf eine Skala zur Selbsteinschätzung mathematischer Studierfähigkeit (vgl. Beschere 2003) zurück. VEMINT basiert auf einem umfangreichen multimedial angereicherten Skript, das mittlerweile auf 60 Module angewachsen ist.

In den meisten Projektvorstellungen wurde hervorgehoben, dass der persönliche Kontakt und das wiederholte Üben von Aufgaben die wichtigsten Punkte für den Lernerfolg darstellen. Zur Unterstützung des persönlichen Kontakts können unterschiedliche Modelle der tutoriellen Betreuung oder auch der Verzahnung der Präsenz- und Online-Phasen zum Einsatz kommen. Im VEMINT-Projekt wird auf das Konzept des Inverted Classroom (vgl. Handke und Sperl, 2012) zurück gegriffen, bei dem noch in den Online-Phasen abgefragt wird, wozu die kommende Präsenzveranstaltung verwendet werden soll. Hier können die Studierenden über Themenvorschläge zur Vertiefung abstimmen oder ihre Fragen einreichen.
Die Auseinandersetzung mit Übungsaufgaben braucht entsprechende Aufgaben und vor allem Lernzeit. Diese Zeit kann in den geballten Wochen der Vorkurse kaum eingeräumt werden. Daher scheint es ratsam, E-Learning-Angebote Studieneinsteigern frühzeitig zugänglich zu machen, durch Tutoren oder Lernberatung entsprechend zu unterstützen und durch elektronische Unterstützung Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Ob als ILIAS-Lernmodul oder Mathe-App – es kommt wie immer auf die methodisch-didaktische Einbettung, die Mitgestaltung der Lernsituation durch die Lernenden und ein Zugeständnis an ausreichender Zeit zur Auseinandersetzung mit dem Stoff an.

Informationen zu den E-Learning Fachforen des Kompetenznetzes E-Learning Hessen gibt es auf: www.e-learning-hessen.de

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